caddy

caddy

Dienstag, 25. Februar 2014

Blues Brothers und Lou Reed



Dann steige ich auch endlich mal ein. 25 Jahre ist echt eine lange Zeit. Und ich hoffe wir werden noch viele Jahre mehr haben.
Die Blues Brothers waren tatsächlich so eine Art Initiation für uns beide auf dem Weg in die Musik. Ein wirklich guter Einstieg in all die Kammern der sogenannten Richtungen, Stile, Genres, etc. Das ist und war ihre eigentliche Mission. Am Ende geht es immer um die Inhalte. Die meisten nennen es Geschmack und der ist nun mal verschieden und bla, bla, bla… Aber, hey!, über Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten! Entweder man hat ihn und erkennt die Inhalte oder eben nicht.
Mindestens ein dutzend Mal haben Philipp und ich uns den Film damals zusammen angeschaut, bis wir ihn mitsprechen konnten. Ich glaube es war „Minnie the Moocher“, der uns auf die Spur brachte. Dieser Song nahm uns mit und sog uns tiefer in die Musik, den Film, die Musiker, den Style. Schwarzer Anzug, schwarzer Hut, eine Sonnenbrille, schwarrrrrz.
Alte VHS Aufnahmen wurden später an manchen Stellen zurückgespult, um über die absurdesten Szenen mehrfach zu lachen. Ich denke da gern an einen dieser Abende zurück, die Szene, eigentlich total lapidar. Jake und Elwood betreten die Absteige, in der Elwood haust. Auf der Treppe spricht ihn ein zahnloser, alter Mann, der im Halbschatten sitzt, an: „Junge, hast du meine Käsecreme dabei?“ Herrlich!
Oder der Besuch im Metropolis Kino am Ebertplatz. Der Film im Original, yeah endlich mal! Die Kopie hundertfach abgespielt und rissig an vielen Stellen. Aber mit den ersten Takten von „She caught the Katy“ waren wir wieder vollkommen im Groove. 
Und immer mehr nahmen wir die tollen Sidekicks wahr. James Brown, John Lee Hooker, Aretha Franklin, Chaka Khan, Ray Charles, der begnadete Cab Calloway und die großartige Band, deren Mitglieder wegweisende Alben anderer, zum Teil leider und zu unrecht verblasster Stars der Soulmusik hauptsächlich des Stax-Labels, begleitet haben. Man begann eben zu hören, was die sonst noch so gemacht haben.
1991 war ich dann endlich auf einem Konzert der „Blues Brothers Band“. Ich stand in der ersten Reihe und hörte ihre Musik in der schäbigen Biskuit-Halle in Bonn-Tannenbusch. Steve Cropper, Donald „Duck“ Dunn, Matt „Guitar“ Murphy, Blue Lou Marini, Alan Rubin, Tom „Bones“ Malone und wie sie hießen. Ich hatte drei Tage lang einen Tinnitus, aber es hat sich mehr als gelohnt.
In diesem Sinne: „Blues is happy music!”

Als kleine Einstimmung für alle die, die diesen wunderbaren Film (noch mal) sehen und den Namen dieses Blogs verstehen wollen:




Über Geschmack und Stil in der Musik lässt sich nicht wirklich streiten. Vieles vergeht, wenig bleibt. Das ist einfach so. Und wer das nicht glaubt ist ein Idiot. So wie Little Joe. “He was an idiot, man! Fuck Radio Ethopian, I’m Radio Brooklyn!”
Ach, Lou, wirlich schade, dass du nicht mehr unter uns weilst. Seit letztem Oktober höre ich seine Musik wieder verstärkt, fast ein wenig obsessiv.
Ich bin froh, dass ich ihn wenigstens einmal live gesehen habe. Wieder zusammen mit Philipp im Sommer 2012, und wieder war es in Bonn, dieser piefigen Kleinstadt. Das Konzert war überwältigend, obwohl nur ein Viertel der Open-Air – Fläche gefüllt, aber egal. Im Schatten des „Deutsche Post-Towers“ hat Lou eine ergreifende Show abgeliefert. Knapp eineinhalb Jahre später war er tot.
Er war einer dieser wenigen Geschichtenerzähler, der mich immer besonders berührt. Dazu drei Akkorde - wegen der Variation! - damit der Zuhörer nicht abschaltet, eine Kurzgeschichte, das war’s. Aber das ist es auch! Wenige beherrschen oder wie man es jetzt leider schreiben muss, beherrschten es so gut wie Lewis Allan Reed (1942-2013). 
Ja, seine Geschichten sind oft abgründig, aber wer ist das .etztendlich nicht. Lou jedenfalls, hat in diese Abgründe hineingeschaut, ist in sie hinab gestiegen, wie kaum ein anderer. Er hat sie seziert, offengelegt. Aber es gibt auch immer wieder Stücke, wie das späte „The power of the heart“, die so ergreifend, zärtlich und bodenständig die Beziehung zwischen zwei Menschen beschreiben und das völlig ohne falsches Pathos und Kitsch. 
Es ist schade, dass man ihn oft nur mit seinem einzigen Hit „Walk on the wild side“ oder bestenfalls mit Velvet Underground in Verbindung bringt. Versteht mich nicht falsch, großartiger Song und noch viel großartigere Band (wenn man sich wirklich die Musik anhört und nicht nur Andy Warhol? Die Platte mit der Banane?, Ist das nicht der mit dem Heroinsong? daherquatscht). 
Wer etwas über Lou Reed lesen möchte, dem seien die Linernotes zu seiner einzigartigen Platte „Metal Maschine Music“ empfohlen: „My week beats your year“! Und die sich in Hass-Liebe aufreibenden Artikel und Interviews von Lester Bangs (zusammengefasst in einem generell sehr, sehr lesenswerten Buch: „Psychotic Reactions“, in dem auch ein toller, seitenlanger Artikel über eine UK-Tour mit The Clash zu finden ist. Reinste Muppets-Show!) Außerdem gibt es ein von ihm selbst schön gestaltetes Buch mit (fast) all seinen Texten („Pass throu fire“). Momentan findet man diverse, gute Dokus auf Youtube. 
Aber das Allerwichtigste ist: Hört seine Musik und dazu gehören auch seine Texte. Es lohnt sich! Manchmal hat er gerade live ein paar echte Delikatessen zu bieten. Wer Geduld hat, findet in den Weiten des Netzes hervorragende Bootlegs. 
Hervorzuheben sind: Ein Livekonzert von 1976 mit dem unvergleichlichen Don Cherry an der Trompete. Ein treibender, jazzig-rockender Gig mit viel Feuer und einer seiner besten Livebands überhaupt. Oder ein Auftritt von 1992 in Philadelphia mit Marc Ribot und Greg Cohen, zwei Musikern aus dem Umfeld von Tom Waits und John Zorn. Schlussendlich sind besonders auch Aufnahmen mit Sängern wie Little Jimmy Scott (jenem Ex-Garderobier von Billie Holiday) oder Antony, die im Kontrast mit Lous Gitarre, Stimme und Stücken besonders glänzen, wahre Perlen in seinem Oeuvre. Hier also ein paar Appetizer:

Live at the Roxy Theatre, L.A. 1976 mit Don Cherry und seiner besten 70er Liveband, ein Radiomitschnitt und legendäres Bootleg. Hier fehlt es leider, aber auf dem Boxset "Between Thoughts and Expressions" findet man noch die vielleicht beste Livefassung von "Heroin" aus diesem Konzert:



"Candy says" mit Antony




"Power and Glory" mit Little Jimmy Scott


"The power of the heart"


und schließlich nur als Link, da das Video irgendwie nicht laden will: das unverwüstliche "Heroin", live in Bonn 2012


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen