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Samstag, 27. September 2014

Tom Petty – Hypnotic Eye

Es ist ziemlich genau 20 Jahre her, dass ich zuletzt ein Album von Tom Petty gekauft habe, das für mich immer noch zeitlos schöne „Wildflowers“, bei dem auch Rick Rubin Hand angelegt hat. Danach hat sich die Spur für mich verloren, hin und wieder bin ich über ein Stück oder die Meldung der Veröffentlichung von einer neuen Platte von ihm gestolpert, doch wirklich interessiert hat mich das nie. Die Euphorie, mit der das neue Album „Hypnotic Eye“ an anderen Stellen besprochen wurde, hat mich jedoch neugierig darauf gemacht, einem alten Bekannten mal wieder einen Besuch abzustatten und mir selbst einen Eindruck von dem Zustand von Tom Petty und seinem Schaffen im Jahre 2014 zu verschaffen.

Und tatsächlich ist es ein wirklich gelungenes Album, das eine interessante Balance findet zwischen einer Orientierung an den eher rockigen Seiten seines Frühwerks, die er mit düster-mystischer Südstaatenromantik anreichert, und der Reflektiertheit eines Alterswerks, dem aber noch nicht der letzte Zahn gezogen ist. Hilfreich ist dabei sicher, dass er in seinem Rücken die Heartbreakers weiß, die wie eine Synthese aus Uhrwerk und spielfreudiger Jungsbande den Sound liefern, der Studienräten mit Southern-Rock-Neigungen auf der Bühne des Stadtteilfests einfach in den Arsch tritt. Mike Campbell, Benmont Tench und Ron Blair beschwören die feuchte Hitze ihrer Heimat, und Petty selbst gibt Themen, die sich schon zu frühen Tagen durch seine Lieder zogen, einen neuen Twist. Mal lässt er gerade die Adoleszenz hinter sich („Full grown Boy“), mal artikuliert er die Wut auf lächerliche Obrigkeiten („Power Drunk“) oder die eigene politische Orientierungslosigkeit im Angesicht von Konflikten („Shadow People“). Am stärksten jedoch sind die Stücke, die tief in den Süden der USA eintauchen und beinahe wie Schnappschüsse der Szenerie aus der grandiosen Serie „True Detective“ anmuten. In „Burnt Out Town“ etwa skizziert er in schlichten wie starken Bildern zu einem Muddy-Waters-artigen Blues die Kaputtheiht verödeter Provinzkäffer, während „Red River“ eine Hommage an den bizarren Mix aus Aberglauben, Geisterbeschwörung und Religion ist, die wie im Voodoo eines Dr. John zu einem wilden und gefährlichen Gebräu gerinnen.

Dabei ist das Album im Sound homogen und vielseitig, aber ohne Schnörkel und Zugeständnisse an das sonstige musikalische Geschehen der Gegenwart. Dass er damit nicht Schiffsbruch in der Bedeutungslosigkeit erleidet, hat er einerseits seinem immer noch großen Songwriter-Künsten zu verdanken, andererseits einer Band, die in diesem Genre ihresgleichen sucht. Insofern kann man nach diesem Besuch bei einem alten Bekannten das Fazit ziehen, dass er, auch wenn man sich lange nicht gesehen hat, immer noch sein Ding macht und das auf einem Niveau, das die Wenigsten auf ihrem Zenit erreichen. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, das Ganze auch nochmal live zu sehen, werde ich das mit ziemlicher Sicherheit tun. Für den Anfang muss das Album aber reichen. Zum Nachhören hier zwei Favoriten daraus mit „Fault Lines“ und „Burnt Out Town“ sowie den wunderschönen Klassiker „Wildflowers“.






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