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Mittwoch, 19. November 2014

Vinyl Maniacs: John Peel / Afrikaa Bambaataa


Wenn man von Plattensammlern und Vinyl-Nerds spricht, gibt es wohl eine Person, die einen unumstritten ikonischen Status hat und für die musikalische Sozialisation von Heerscharen britischer Musiker und Hörer verantwortlich war: John Peel, seines Zeichens BBC-Moderatoren-Legende. Ziemlich genau 37 Jahre lang hat er seine Landsleute und alle sonstigen Menschen mit BBC-Empfang mit Musik versorgt, die er liebte und die er mit möglichst vielen Menschen teilen wollte. Radikale Subjektivität, bedingungslose Hingabe und ewig-jugendlicher Enthusiasmus waren dabei seine Markenzeichen. Dass vieles von dem, was er über den Äther schickte, zumindest vor seiner Sendung leicht bis extrem obskur war, machte ihn lange zu einer einzigartigen Erscheinung zumindest in der öffentlichen und kommerziellen Radiolandschaft des UK. Wenig überraschend hatte er seine Wurzeln nicht in der grauen Rundfunkbürokratie der BBC, sondern in der langen, bis heute andauernden Tradition des britischen Piratenradios. Dessen Protagonisten waren bereits in den 60ern von Schiffen vor der Küste Englands aus angetreten, um die musikalischen Schwingungen der Subkultur unzensiert zu verbreiten. Heute bauen deren Nachfolger hingegen temporäre Stationen auf Dächern der Wohnsilos von London auf und schicken die frischesten Vibes urbaner britischer Musik in den Äther.

Im Laufe seiner Karriere hat Peel neben dem Senden bereits gepresster Platten vielen Bands zu eigenen „Peel Sessions“ in den BBC-Studios verholfen, darunter frühe Klassiker wie die Small Faces, The Smiths oder auch Nirvana, bevor sie mit „Nevermind“ groß raus kamen. Nach wie vor mythenumrankt ist aber vor allem die praktisch unüberschaubare Masse an Vinyl, die Peel im Laufe seiner Karriere als Empfänger von Promos genauso wie als obsessiver Sammler angehäuft hat. Dieser Hinterlassenschaft in schwarzem Plastik hat nun – auch unter Beteiligung seiner Familie – eine Website ein höchst würdiges Denkmal gesetzt. Auf dieser Seite kann man via Maus selbst durch die Regale surfen, die von ausgewählten Musiker kuratierten Auslesen bestaunen oder auch das Verzeichnis der Peel Sessions durchgehen. Mit anderen Worten: ein unschätzbarer Fundus für Plattenfreaks, bei dem allerdings die Finger nicht staubig werden. Dig it – here!

Bei Peels Website geht es also um so etwas wie eine würdige Nachlassverwaltung für eine verstorbene Ikone in seinem Geiste. Einen anderen Weg hat hier Afrika Bambaataa gewählt, Gründer der Zulu Nation, HipHop-Pionier und Säulenheiliger der DJ Culture. Statt das Schicksal seines Vinyls den Hinterbliebenen und damit der Ungewissheit zu überlassen, hat er sich selbst um die Kanonisierung seines physischen Nachlasses zu Lebzeiten gekümmert, indem er seine Plattensammlung dem Archiv der Cornell University zu akademischen Zwecken zur Verfügung gestellt hat. Zuvor waren bereits zumindest Teile des Bestands in einer Galerie zu besichtigen, was wohl als eine Art Vorstufe zum Empfang höchster akademischer Weihen zu verstehen ist.

Das Ganze zeugt von einem ausgeprägten Bewusstsein Bambaataas hinsichtlich der eigenen Bedeutung in der Musikgeschichte, was ja letztlich nicht zu leugnen ist. So kommentiert er heute bereits in bester Elder-Statesman-Pose seine Vita und schaut gelassen zu, wie sich seine Nachfahren an den Turntables und Mikrofonen schlagen. Das mag etwas hochtrabend wirken, doch irgendwie sympathisch ist es trotzdem, wenn dieser Koloss von einem Mann mit einer Platte und einem dicken Wälzer im Arm einzelne Highlights seiner Karriere – etwa als DJ in einem italienischen Fußballstadion bei einem Techno Festival – Revue passieren lässt.

Letztlich eint diese beiden höchst unterschiedlichen Figuren nicht nur eine zumindest vermeintlich typisch-männliche, nerdhafte Sammelleidenschaft, sondern auch der wilde Eklektizismus, der keine Genre-Grenzen kennt. Aus dem jugendlichen Trieb, Massen an Vinyl anzuhäufen und anderen vorzuführen, was es alles an großartiger Musik da draußen gibt, ist bei beiden nicht nur ein unschätzbarer musikalischer Schatz entstanden, der nun auf unterschiedliche Weise öffentlich zugänglich ist – in den heiligen Hallen von Academia oder in den Weiten des Internets. Auf ihre Weise haben beide mit ihrer Persönlichkeit durch das Medium Vinyl einen bleibenden Einfluss auf Hörer und Musiker mehrerer Generationen ausgeübt.

Als kleine Appetizer noch "Looking for the perfect Beat" von Afrika Bambaataa sowie die vollständigen Peel Sessions von The Smiths:



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