caddy

caddy

Mittwoch, 21. Januar 2015

Auslese 2014 - Teil 4

Ein wenig spät wird hier Bilanz gezogen, was das letzte Jahr so an Platten gebracht hat, doch ganz verschwiegen werden soll das Resumee nicht. Um den Wust an Vinyl und Soundfiles ein wenig zu ordnen, geschieht das grob nach Richtungen sortiert mit Fokus auf je drei zentrale Platten sowie weitere erwähnenswerte Releases. Zunächst ist mal der HipHop dran, weitere folgen. Und in diesem Genre war es nicht der schlechteste Jahrgang. Die drei Favoriten habe ich allesamt schon ausführlich besprochen, so dass man Details dazu in den jeweiligen Posts nachlesen kann.

Run The Jewels - Run The Jewels 2

Der Titel ist zugegebenermaßen denkbar unoriginell, doch ändert das nichts daran, dass El-P und Killer Mike allen gezeigt haben, wo der Hammer hängt in Sachen Beats and Rhymes. Sie vereinigen dass, was man an stumpfem, wortspielverliebtem Bragadoccio liebt, spielend mit der Brisanz von Public Enemy und liefern das Ganze vor einer Beat-Kulisse, die vielschichtiger und unterhaltsamer ist als das, was aus den MPCs der Konkurrenz so rausplätschert.



Freddie Gibbs & Madlid - Pinata

Auch hier haben wir es mit einem Duo zu tun, auch wenn dieses nach einer etwas strikteren Arbeisteilung verfährt, da Madlib konsequent die Klappe hält und Freddie Gibbs seinerseits nicht in Sachen Beats dilettiert, sondern sich auf seine Kernkompetenz des Quatschens konzentriert. Nachdem die Kollaboration zunächst ungewohnt und fast wie eine Schnapsidee gewirkt haben mag, zeigt sich auf Albumlänge, dass sich hier zwei sonst recht strikt getrennte Segmente des HipHop mit großem Gewinn für beide Seite befruchten. Verkiffter Indie-Beat-Schmied weist dem Ghetto-Boy mit Authentizitäts-Siegel den Weg zu neuen Ufern. Und dieser setzt als Dankeschön den bewährten Sample-Soundtrack in neue Kontexte.



Shabazz Palaces - Lese Majesty

Dass HipHop nicht zwangsweise nur im eigenen Saft schmoren muss, sondern auch eine gewisse visionäre Sprengkraft entfalten kann, hat wohl lange kein Act mehr so deutlich gemacht wie Shabazz Palaces. Sound und Lyrics sind hier gleichermaßen unkonventionell, und irgendeiner muss doch schließlich die Fackel von Sun Ra durch das Labyrinth der Goldkettchen und Koksbeutel tragen. Hinzu kommt, dass das Duo live in einer Weise Arsch tritt und den Hallenboden mit Basswellen erschüttert, dass man wohl sagen kann, dass es 2014 nicht viele Konzerte gab, die da in Sachen Intensität mithalten konnten.


  
Mehr gutes Material

Eine weitere Erwähnung verdient einerseits Schoolboy Q mit Oxymoron, der in Sachen irrer Drogen-Rap mit Massenappeal und teils relevantem Reflexionsniveau zu überzeugen wusste. In Deutschland hat er das von der Masse halbwegs unbeachtet getan, in den USA reicht sowas für Platz 1 der Charts. Zugleich überbrückt die Platte die Wartezeit zum nächsten Release seines Kumpels Kendrick Lamar in eleganter Weise.



Schließlich wäre da noch der von mir schon lange sehr geschätzte Kölner MC Retrogott mit seinr aktuellen Kollaboration mit Hubert Daviz, der hier seinen üblichen kongenialen Partner Hulk Hodn ersetzt. In Sachen kluge und aggressive Sprachspiele auf Deutsch macht dem Mann so schnell keiner was vor, genausowenig in Fragen der konsequenten Underground-Attitüde. Zugleich erfülle ich damit eine Deutsch-Rap-Quote, ein Genre, mit dem ich sonst nicht so viel am Hut habe.


Mixtapes

Schließlich ist der unübersichtliche Digital-Marktplatz der Mixtapes anzuführen, auf dem ich mich zugegebenermaßen nur sporadisch tummele. Gut gefallen haben mir da aber auch ein paar Kandidaten:

Dej Loaf - Sell Sole

Die Dame schafft es als einzige Lady auf die Jahresabschlussliste in diesem ansonsten doch arg testosteron-dominierten Geschäft. Das ist allerdings diesmal keiner Quote geschuldet, sondern einzig ihren Qualitäten als MC, die sie mit einem idiosynkratischen Style auf ihrem letzten Tape absolut unter Beweis gestellt hat. Da wünscht man sich mehr solcher selbstbewusster weiblicher Stimmen statt der Horden von Bling-Boys mit ihrem Pimmel-Gequatsche.



A$AP Ferg - Ferg Forever

Da ist tatsächlich mal einer aus dem Schatten von A$AP Rocky als Boss des Mobs herausgetreten und hat gezeigt, dass da noch mehr Talent schlummert, mit dem man nicht nur die Mobshots im Video auffüllen kann, sondern auch im Alleingang problemlos ein Tape bestücken kann. Ebendieses besticht durch Vielseitigkeit, Mut zum Experiment, das auch mal in die Hose gehen darf, sowie einem zeitgeistigen Stilbewusstsein. Da könnte noch was kommen demnächst.



Rich Gang (Young Thug, Birdman , Rich Homie Quan) - Tha Tour Pt. 1

In Sachen konventioneller Trap-Sound war der Zusammenschluss Rich Gang von Young Thug und Konsorten mein Favorit. Die Kombination der Styles macht hier den Reiz aus. Das Themenfeld und die Sound-Ästhetik sind klar abgesteckt, so dass man nur mit besonders brillanter Variation des bekannten punkten kann. Das machen die drei dann auch souverän und besser als der Rest, auch wenn man manchmal denkt, dass es ein anderes Thema oder ein etwas variablerer Beat durchaus auch mal sein dürften.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen